Hardy59

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Bavaria, Germany

Der Anlass für mich diese Wanderung zu unternehmen war eher nicht schön. Ich hatte meinen Job verloren. Ein inzwischen ganz normales Schicksal heute in Deutschland. Nach 27 arbeitsreichen Jahren hatte ich plötzlich mehr Zeit als mir lieb war. Ich glaube gerade in der heutigen Zeit wissen sehr viele Menschen in Deutschland, sei es durch eigenes Erleben oder man kennt diese Situation von einem Verwandten oder Bekannten, was das bedeutet. Lange Rede kurzer Sinn: Der Betroffene schiebt unendlich viel Frust vor sich her und es fällt ihm sehr schwer seinen Alltag nicht aus dem Ruder laufen zu lassen. So ging es auch mir. Zunächst lief ich aus Wut über die Ungerechtigkeit, aus Verzweiflung an der Zukunft und vor meinem eigenen Selbstmittleid Plan und Ziellos davon. Dabei kam es auch vor, dass ich ganz in Gedanken Kilometer um Kilometer gelaufen war, mich irgendwo wiederfand und kaum an den Rückweg gedacht hatte. So kam es zurückblickend an manchen Tagen bis zu 30 Kilometer langen Tagesmärschen. Irgendwann kam es mir in den Sinn mittels meiner Zeit und der plötzlich entdeckten Lauflust einen sinnvolleren Weg zu beschreiten. Einen angenehmen Nebeneffekt meiner plötzlichen Lauflust hatte ich schon bemerkt. Ich nahm ab. Ich erinnerte mich an ein altes Vorhaben für das mir bisher immer die Zeit gefehlt hatte. Schon lange wollte ich den Main – Donau – Fernwanderweg auf der Jura Linie von Bad Staffelstein am Main nach Regensburg an der Donau abwandern. Schon Jahre zuvor hatte ich mit meiner Familie einen Teil dieser Strecke abgewandert. Wir waren allerdings damals in Kehlheim an der Donau gestartet. Dann ging es ab dem Ort Loch durch das Laabertal, später über Neumarkt – Altdorf – Hersbruck bis nach Plech (abseits der Strecke) Mehr Zeit hatten wir damals leider nicht zur Verfügung. Aber schon damals hatten wir festgestellt, durch welch schöne und abwechslungsreiche Landschaften, an welch schönen und historisch interessanten Orten vorbei, dieser Weg uns führte. Zunächst war ich mir nicht sicher wie ich das Vorhaben anpacken sollte. Welche Strecke konnte ich an einem Tag schaffen? Wo sollte ich sinnvolle Etappenziele planen? Eine gute Richtschnur lieferte mir damals ein kleines Heft vom Pfeiffer Verlag Hersbruck Ich besorgte mir alle Wanderkarten der Wandergebiete, die es zu durchwandern galt. Ich schritt an Hand der Wanderkarten im Geiste die Strecke ab. Doch blieb ich mir immer noch unsicher die ganze Tour auf Anhieb an einem Stück zu machen. Da es mir an Zeit nicht mangelte beschloss ich, die gesamte Strecke erst einmal in Tageseinzeletappen abzulaufen. Praktisch sah dass so aus, dass ich mit dem Auto zunächst nach Bad Staffelstein fuhr, das Auto am Bahnhof parkte, eine Strecke wanderte (Ein Zeitlimit hatte ich mir vorher gesetzt. Es lag bei 14:00 Uhr), dann machte ich kehrt und marschierte die ganze Strecke wieder zurück. Dabei achtete ich darauf, dass mein Wendepunkt sich möglichst an einem Wanderparkplatz befand. Die nächste Tageseinzeletappe startete ich dann an dem vorherigen Wendepunkt. Das machte ich solange bis ich schließlich an einem Nachmittag im Kloster Weltenburg ankam. Ich hatte mich für das Kloster Weltenburg als Zielpunkt meiner Wanderung an die Donau entschieden, da der Bereich Kehlheim – Donaudurchbruch – Weltenburg zu meinen Lieblingsorten zählt und für mich von dort aus eine gewisse Magie ausgeht. So bin ich in der Lage die folgende Fernwanderung auch als Tageseinzeletappen zu beschreiben. Mit den Worten „Ende der Tageseinzeletappe“ werde ich den jeweils von mir erreichten Wendepunkt der Tageseinzeletappe kenntlich machen. Die im Folgenden beschriebenen Wanderungen unternahm ich im Frühjahr 2005. Es ist also schon ein paar Jahre her ehe ich jetzt und heute dazu komme meine Notizen zu sichten und sie hier in dieser Form allen zugänglich zu machen. Sicherlich haben sich einige Details meiner Wegbeschreibung verändert. Doch ich habe vor einige Etappen dieser Fernwanderung nochmals zu erwandern. Auch will ich dann Veränderungen, Tipps wie auch „Anekdoten am Wegesrand“ möglichst aktuell in einem angehängten Blog veröffentlichen. Mit jedem Tag, mit jeder Einzeletappe, sah ich welche Wanderung der Superlative ich gerade unternahm. So führte mich die gesamte Strecke von einem großen europäischen Flusssystem (Main – Rhein – Nordsee) zu einem anderem großen Flusssystem (Donau – Schwarzes Meer) An jedem Bach – jedem Flüsschen hielt ich mir vor Augen: „Dieses Wasser wird über den Main, den Rhein seinen Weg in die Nordsee nehmen.“ Als ich bei Neumarkt in der Oberpfalz die Europäische Wasserscheide überschritt wurde mir klar, dass jedes Rinnsal - jeder Bach oder jedes Flüsschen von nun an sein Wasser über die Donau ins Schwarze Meer bringen wird. Dies war nur ein Gedanke, der die Wanderung zu einer Besonderen machte. Es war aber auch die alte Kulturlandschaft, die es zu durchschreiten galt. Zeugen Jahrhunderter-, ja sogar Jahrtausender-, alter deutscher Geschichte gab es immer wieder zu bestaunen. Das Gefühl selbst, in uralter Keltenzeit, auf dem Weg von Menosgada der einst wichtigen Keltenstadt in das durch seine Eisenverhüttung berühmte Alkimoennis zu wandern kam in mir auf. Denn es gelang mir ab und zu, die Zeichen der heutigen Zeit auszublenden um nur die ursprüngliche Landschaft sehen zu können. Überall konnte und kann man auf diesem Weg Geschichte atmen. Der Maindonau Weg auf der Jura Linie nimmt seinen Anfang im oberen Maintal, wo es solch berühmte Bauwerke wie Kloster Banz und Balthasar Neumanns barockes Meisterstück, die Basilika Vierzehnheiligen zu bestaunen gibt. Von Bad Staffelstein nach Scheßlitz Gleich nach dem Kurort Bad Staffelstein geht es hinauf zu einem eindrucksvollen Berg, dem Staffelberg, welcher heute ein Wallfahrtskirchlein trägt. Früher jedoch, zur Keltenzeit stand auf dem Staffelberg das bedeutende Opidium Menosgada. Der Keltenstadt, der man nachsagt: Sie hätte dem Fluss unter der Stadt seinen Namen gegeben. Weiter geht es auf dem Rücken eindrucksvoller Juralandschaften. Sehr oft gibt es dabei schöne Ausblicke auf das obere Maintal. Auf der „Hohen Metze bei Scheßlitz ist die Aussicht besonders eindrucksvoll. Von der anderen Talseite grüßt „Giech“ und „Gügel“. Ein ganz besonderer Leckerbissen auf meiner Wanderung. Im Tal sieht man den Ort Scheßlitz und bei guter Sicht winken die Türme der alten Bischofsstadt Bamberg. Scheßlitz hatte ich mir als erstes Etappenziel ausgewählt.

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